Leserbrief zur causa Hoeneß

(eingereicht bei der Berliner Zeitung)

 

Wer erspekuliertes Geld nicht versteuert schädigt das Gemeinwohl gleich auf doppelte Weise:

(1) Was wenige Spekulanten ohne Gegenleistung an die Gesellschaft gewinnen, das verlieren andere. Die Verluste sammeln sich über wenig durchsichtige Mechanismen bei vielen der finanziell schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft. Ganze Volkswirtschaften können so geschädigt werden. Spekulation an sich gehört abgeschafft.

(2) Wer keine Steuern zahlt vorenthält den öffentlichen Haushalten Mittel, die für allgemeinheitsdienliche Zweck dingend gebraucht werden. Selbst wenn ein Spekulant als Wohltäter auftritt, entzieht er doch die wohltätig ausgegebenen Mittel jeglicher demokratischer Kontrolle.

Wäre es beispielsweise für uns und die Welt nicht wichtiger, Forschung gegen resistent gewordene Krankheitserreger zu finanzieren als einen Fußballverein zu fördern?

Um zu einer angemessenen Bewertung zu kommen, sollte man auch nüchtern die finanziellen Dimensionen ins Verhältnis setzen: Hoeneß hat grob gerechnet 30 Mio Steuern hinterzogen. Da Spekulationsgewinne mit 25% besteuert werden, muss er ca. 120 Mio  leistungslos „verdient“ haben. Von denen hat er dem Vernehmen nach 5 Mio imagefördernd für Fußball gespendet. Zahlt er die 30 Mio Steuern nach, so verbleiben ihm immer noch 85 Mio. Dafür geht er rund 3 Jahre in gelockerten Knast. Damit „ersitzt“ er sich einen Jahresverdienst von etwa 28 Millionen. Welcher Normalbürger verdient so viel? Dafür kann man sich schon mal 3 Jahre auf Staatskosten im Knast Frühstück servieren lassen und darauf verzichten, zu Hause zu schlafen. Wer Hoeneß für seinen Revisionsverzicht meint, Achtung zollen zu müssen, sollte sich diese Rechnung vor Augen halten. Wenn Straftäter dieser Art nach Strafvollzug nicht arm wie eine Kirchenmaus dastehen, sondern prächtigen Gewinn gemacht haben, wird es diese Delikte immer wieder geben. Das Verdienstmodell regt ja geradezu zur Nachahmung an.

 

Dr. Hans-Volker Pürschel

Werkstatt für Zukunfts-Forschung und Gestaltung (WZFG) e.V.

 

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