Sonntagsvorlesung
vom 27.4.03
Die
erste Stufe der durch Enzyme vermittelten Umsetzung der in der DNA
gespeicherten Erbinformation in die funktionalen Proteine (Genexpression) ist
die Transcription in eine RNA. Die kleinste Einheit der in der DNA codierten
Erbinformation ist ein Gen. Eine
Vielzahl von Genen sind in den Chrosomen zusammengefasst. Die Gesamtheit aller
Chromsomen eines Lebewesens bildet das Genom.
Mutationen
sind zufällige Veränderungen der Erbinformation in den Genen und werden spontan
oder durch Umwelteinwirkungen chemischer Art oder Strahlung ausgelöst. Solche
Veränderungen werden durch Vererbung weitergegeben.
Eine
andere Art von zufälligen Ereignissen -- sogenannte epigenetische Ereignisse --
führen nicht zur Veränderung von Genen und sind daher nicht vererbbar, sondern
bewirken lediglich durch Anlagerung von bestimmten Molekülen, dass ein Gen bei
der Transcription zur RNA nicht berücksichtigt, also gewissermaßen
ausgeschaltet wird, obwohl die ursprüngliche Erbinformation in der DNA erhalten
bleibt. Dieser Vorgang bewirkt, dass auch genetisch völlig identische
Individuen sich zu unterschiedlichen Phänotypen entwickeln können und in der
nächsten Generation die ursprünglichen Merkmale wieder erscheinen können.
Durch
einen ähnlichen Zufallsprozess wird bei der sexuellen Fortpflanzung bewirkt,
dass von den mütterlichen und väterlichen Chromosomen gleicher Art jeweils
eines deaktiviert wird. Die Deaktivierung eines dieser Chromosomen verhindert
dann aber die Deaktivierung des jeweils anderen Chromosoms. Dieser Prozess ist
dafür verantwortlich, dass das Kind ein bestimmtes Merkmal zufällig vom Vater
oder von der Mutter erbt, obwohl in der nächsten Generation das deaktivierte
Merkmal wieder auftauchen kann.
Bei
der Ausschaltung bestimmter Gene können benachbarte Zellen miteinander
wechselwirken, d.h. wenn eine Zelle ein bestimmtes Gen ausgeschaltet hat, dann
schalten die Nachbarzellen dieses Gen mit einer von dieser Zelle
beeinflussbaren Wahrscheinlichkeit ein oder aus.
Wenn
in einem Lebewesen durch das wechselseitige Ein- und Ausschalten bestimmter
Gene der Phänotyp verändert wird, so bezeichnet man die betreffenden Gene als
Allele.
Krebs
wird nicht nur durch eine Mutation der Gene hervorgerufen, sondern kann auch
epigenetische Ursachen haben. Die Änderung der Konzentration einer bestimmten
Substanz in der Zelle kann dann die zeitweilige Ein- oder Ausschaltung eines
Gens bewirken, wodurch Krebswachstum ausgelöst wird.